Zentrierungspädagogik und Yoga
In Anlehnung an die Yogaphilosophie bewegt sich die Zentrierungspädagogik auf dem Boden einer klar formulierten Theorie, deren Wurzeln über 2000 Jahre zurückreichen. Hier zeigt sich in besonderem Maß, dass nicht alles, was alt ist, auch überholt ist. Denn aus heutiger Sicht hat Patanjali ein Modell zur Erklärung komplexer Ursache-Wirkungszusammenhänge bei der Entwicklung geistigen Potentials formuliert, das sich durch einen hohen Praxisbezug auszeichnet. Dabei hat er moderne Erkenntnisse der Hirnforschung über materielle Grundlagen des Denkens ebenso antizipiert wie systemisches Denken, das die heute erfolgreichen theoretischen Modelle in den Humanwissenschaften auszeichnet.
Von besonderem Interesse für pädagogische Handlungsfelder ist ein von Patanjali formuliertes acht-Stufen-Modell, das auf die Ebenen pädagogischer Intervention übertragen werden kann.
Zentrierungspädagogische Interventionsbereiche
Yoga wirkt auf eine bestimmte Weise und auf bestimmten Ebenen, wobei unterschiedliche Methoden zur Verwirklichung bestimmter Zwecke eingesetzt werden müssen. Erst wenn Einsicht in Ursache-Wirkungszusammenhänge gegeben ist, kann Yoga effektiv als Förderinstrument eingesetzt werden.
Zentrale Interventionsbereich sind Verhalten (Yama), innere Einstellung (Niyama), Körperhaltung (Asana), Atmung (Pranayama), Zurückziehen der Sinne von der Außenwahrnehmung (Pratyahara) und Absorption (Konzentration, Meditation, Fusion).
Literatur
Augenstein, Suzanne (2003): Yoga und Konzentration.
Theoretische Überlegungen und empirische Untersuchungsergebnisse. Reihe Bewegungslehre und Bewegungsforschung, Bd. 16. Immenhausen bei Kassel: Prolog-Verlag, 2. Auflage 2008
Bäumer, Bettina (1985) (Hrsg.): Die Wurzeln des Yoga.
Bern, München, Wien: O. W. Barth
Montessori, Maria (1969): Das kreative Kind.
Der absorbierende Geist. Hrsg. P. Oswald / G. Schulz-Benesch. Freiburg i. Br.: Herder
Montessori, Maria (1976): Schule des Kindes.
Hrsg. P. Oswald / G. Schulz-Benesch. Freiburg i. Brg.: Herder